Zur Entstehung der braunbrüstigen Deutschen Langschan

(Bilder sind per Klick vergrösserbar.)

Der Erzüchter der Braunbrüstigen:

Anton Weckendrup

 

 

Anton Weckendrup

 

Links das einzige Bild, das ich von ihm habe.

 

Dieses Bild erschien zusammen mit dem Text:    "A. Weckendrup erzielt großen Zuchterfolg"  in einer regionalen Zeitung des Ruhrgebietes. (Siehe unter Quellen "Quelle 1".)

Zeitung und Ausgabedatum sind unbekannt.

Ein Gemälde

Dieses Bild hing im Wohnzimmer von Anton Weckendrup. Wer es gemalt hat, ist mir nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass der Maler es nach Vorgaben von Anton Weckendrup gemalt hat.

Auffällig ist:

1. Das dunkle Sattelgefieder

2. Keinerlei Zeichnung im Brustgefieder.

Gerade der letzte Punkt machte damals große Probleme. Ich bin gespannt auf die Braunbrüstigen die 2018 in Hannover zu sehen sein werden!

3. Über die Form kann man sicher anderer Meinung sein, denn der Rumpf kommt doch sehr kastenförmig daher ...

 

Mein Zuchthahn von 1982

Zum Vergleich ein Foto eines ehemals lebenden Tieres. 

Das Sattelgefieder ist keineswegs so dunkelbraun wie auf dem Gemälde.

Auch ist das Brustgefieder nicht rein schwarz.

 

0,1 Deutsche Langschan braunbrüstig

LV-Schau Rheinland

Köln 1977

sg LVE

Anton Weckendrup, Kirchhellen

 

Foto: Scheide

 

Wunderbar kleine Kopfpunkte und eine sagenhafte Rückenlinie.

 

Ich kann mich erinnern, dass meine Tiere ebenfalls so "geduckt" standen. D.h. der Winkel zwischen Lauf und Unterschenkel war nahezu 90°. Das wird sicher heute nicht mehr so sein.

Was war Anton Weckendrups Ausgangsmaterial ?

Im Rundschreiben des Sondervereins der Langschanzüchter vom 13. Januar 1985  schreibt Theodor Sperl:

 

"Eine genaue Erzüchtungsbeschreibung dieses Farbenschlages gibt es leider nicht. Er war ein Zufallsprodukt."

 

Dass es ganz so zufällig nicht geschehen ist, möchte ich mit den Quellen, die mir zur Verfügung stehen, hier zeigen. Ich zitiere aus einem Zeitungsartikel  - ("Quelle 1"):

 

"... erwarb Weckendrup vom Kirchhellener Zuchtfreund Theo Look eine Bastardhenne und einen Bastardhahn mit unbekannter Blut- und Linienführung, deren Nachkommen er den eigenen schwarzen Langschan immer wieder einkreuzte."

 

Ein wenig anders steht es in einem anderen Zeitungsartikel - "Quelle 2" - von dem mir leider auch das Erscheinungsdatum nicht bekannt ist:

 

"Schon immer hatte Anton Weckendrup das Ziel einer Neuzüchtung ins Auge gefaßt. Dabei kam ihm vor elf Jahren der Zufall zu Hilfe. Der damalige Vereinskollege Theo Look hatte auf einer Ausstellung ein Huhn, ein schönes Tier, aber kein reinrassiges. Er wollte es in "den Pott" stecken. Dafür sei es zu schade, meinte Anton Weckendrup, übernahm das Tier und kreuzte es mit seinen großen schwarzen Langschanhühnern."

 

Sind es laut erstem Artikel noch 1,1 Bastarde, so ist es im zweiten Artikel nur noch ein nicht reinrassiges Huhn.

 

Doch die Bastarde sind vielleicht nicht die einzige Grundlage der neuen Farbvariante. Dem weiteren Text ("Quelle 1") ist zu entnehmen:

 

"Seinem Lehrmeister Martin Hoffmann ... gelang es ... erstmals braunbrüstige Langschan-Zwerge zu züchten, von denen Weckendrup auch einige Exemplare bekam."

 

Dass im Hause Weckendrup braunbrüstige Zwerg-Langschan heimisch waren, belegt ein dritte Zeitungsartikel - "Quelle 3", vom 29. Sep. 1978 - der über die Landesverbandsschau in Münster berichtet. Dort steht unter den züchterischen Erfolgen:

 

" Angelika Weckendrup: Zwerg Langschan braunbrüstig: 1 x sg E, 1 x sg Z, 1 x g."

 

Nun steht zwar an keiner Stelle, dass Anton Weckendrup die braunbrüstigen Zwerglangschan für die Erzüchtung der braunbrüstigen, großen Langschan einsetzte, doch halte ich persönlich dies für sehr wahrscheinlich. Zum einen war er im Besitz der braunbrüstigen Zwerge und zum anderen - und das weiß ich aus eigener züchterischer Erfahrung - waren die Tiere des braunbrüstigen Farbenschlages stets kleiner als Tiere aller anderen Farbschläge.

 

Ich halte also fest:

Die Zeitungsartikel belegen, dass zur Erzüchtung der braunbrüstigen Deutschen Langschan mit Sicherheit "Bastarde" benutzt wurden. Dass auch braunbrüstige Zwerglangschan eingesetzt wurden, scheint mir sehr wahrscheinlich.

 

(So weit ich weiß, heißt die Farbe der Zwerg-Langschan heute orangebrüstig: ob das immer schon so war, entzieht sich meiner Kenntnis.)

 

 

Der Anerkennungsprozess

Unter "Quelle 4" findet sich eine Kopie eines Briefes (vom 06.07.1973) des damaligen ersten Vorsitzenden des "Klubs Deutscher Langschanzüchter" - Herr Karl-Heinz Schumacher - an Anton Weckendrup. Hier geht es u.a. um "Post vom Zuchtausschuß" die Namesgebung der neuen Farbvariante. Wer mag, kann in den Quellen nachschauen.

Bereits am 28.08.1973 erhält Anton Weckendrup Post vom Zucht- und Anerkennungs-ausschuss des Bundes Deutscher Rassegeflügekzüchter e.V.

Hier wird ihm der positive Entscheid mitgeteilt. Ein Scan des Schreibens findet man unter "Quelle 5".

In einem Zeitungsartikel vom 04. Dezember 1975 - "Quelle 6" - über die 57. Nationale in Köln heißt es:

"Anton Weckendrup stellte seine Neuzüchtung "Langschan, braunbrüstig" zur Schau, die bald von dem Zuchtausschuß anerkannt werden".

Einem Artikel - "Quelle 7" - über die Nationale in Münster ist zu entnehmen:

"Anton Weckendrup zeigte zum zweiten Male Deutsche Langschan braunbrüstig als Neuzüchtung. Er hatte zwei Generationen vorzustellen und erzielte damit die beachtlichen Noten sg, g und b."

Der Artikel trägt kein Datum. Ich entnehme dem "zum zweiten Male" aber, dass diese Nationale sehr wahrscheinlich 1976 gewesen sein muss.

 

Einem Artikel - "Quelle 8" - über die 24. Allgemeine Friedberger Junggeflügelschau am 4. und 5. Oktober - leider ohne Jahreszahl - ist zu entnehmen, dass Anton Weckendrup vier Tiere ausgestellt hatte, die als "orangefarbig" bezeichnet wurden.

Außerdem ist der Hinweis interessant, dass Weckendrups Tiere von einem dänischen Züchter gekauft wurden.

Das sind alle Informationen, die ich zur Erschaffung der "Deutschen Langschan in braunbrüstig" beitragen kann. Ich denke, sie sind für den einen oder anderen Züchter dieses Farbenschlages von Interesse.